Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)"

Gradmesser für Fragilität

Andreas Zick, Professor für Sozialisation und Konfliktforschung und Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld spricht im Interview über eine "fragile Mitte" der Gesellschaft.

Regelmäßig untersuchen Sie menschenfeindliche Einstellungen in der deutschen Bevölkerung und kommen zu dem Schluss, dass unsere Gesellschaft eine "fragile Mitte" hat. Was bedeutet das für Geflüchtete?

Andreas Zick: Das ist eine gute Frage, weil sie aus der Sicht der Geflüchteten gestellt ist! Dieser Blick wird ja weitgehend vernachlässigt, obgleich Antworten auf die Frage nach den Möglichkeiten und Barrieren für die Integration ungeheuer wertvoll sind. Vorurteile und negative Meinungen über die Integrationsfähigkeit sind nach Studien der sogenannten Akkulturationsforschung die erste wesentliche Barriere. Wir beobachten seit dem Jahr 2002 das Syndrom der "Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit", d.h. eine Reihe von Vorurteilen gegenüber den verschiedensten sozialen Minderheiten. Von einem Syndrom sprechen wir, weil sich empirisch zeigt, dass eine Abwertung mit anderen einhergeht. Wenn wir Meinungen über Geflüchtete beobachten, dann zeigt sich empirisch, dass diese eng verbunden sind mit Meinungen über Zugewanderte im Allgemeinen oder Musliminnen und Muslimen. Geflüchtete Personen nehmen das auch wahr. Sie stellen fest, dass sie mal als Geflüchtete, mal als Ausländer, mal als Muslime negativ wahrgenommen werden. Mit dem Blick auf die Menschenfeindlichkeit konnten wir in der Studie ZuGleich (Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit), die die Stiftung Mercator gefördert hat, feststellen: Zwischen dem Jahreswechsel 2013/14 und zwei Jahre später, also dem Jahreswechsel 2015/16,  sind die Zustimmungen zu negativen Meinungen über Geflüchtete signifikant angestiegen. So sahen z.B. 49 Prozent in der letzten Befragung einen Zusammenhang zwischen Flucht und Terrorgefahr. Zugleich nahmen positive Einstellungen zur Integration und die Zustimmung zu einer Willkommenskultur ab.

Das vollständige Interview können Sie in der kommenden Ausgabe unseres Fachmagazins IQ konkret lesen, das Mitte Dezember erscheint.

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